Der EU-Klimawandendienst Copernicus warnt davor, dass das Jahr 2026 fast sicher die Marke von 1,5 Grad globaler Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit überschreiten wird. Damit würde dies zum zweiten Mal nach dem Jahr 2024 geschehen, in dem die Erwärmung erstmals in einem Kalenderjahr über diesem Wert lag. Für 2026 wird ein Temperaturanstieg im Bereich von 1,56 bis 1,61 Grad Celsius erwartet, wobei eine 20-prozentige Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Rekordwert von 2024 übertroffen wird.
Besonders kritisch bewerten die Experten den Vierjahresdurchschnitt für den Zeitraum von 2023 bis 2026, der voraussichtlich ebenfalls über der 1,5-Grad-Grenze liegen wird. Erst ein solcher mehrjähriger Durchschnitt gilt offiziell als Überschreitung des Ziels aus dem Pariser Klimaabkommen. Samantha Burgess vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage führt dies auf die Kombination aus menschlichen Aktivitäten und einem außergewöhnlich starken El Niño zurück, der das Klima weiter anheizt.
Aktuelle Daten unterstreichen den Trend: Der vergangene Oktober war weltweit der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, mit einer Oberflächentemperatur von 1,75 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Auch die Meeresoberflächen außerhalb der Polarregionen erreichten mit 20,95 Grad einen historischen Oktoberrekord und übertrafen damit die Werte von 2023. Im Pazifik stieg die Abweichung aufgrund des El-Niño-Phänomens auf einen Höchstwert von 3,21 Grad.
Die Vereinten Nationen und der Klimaforscher Johan Rockström vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sprechen bereits von einem sogenannten „Overshoot“-Szenario. Rockström betont, dass eine offizielle Überschreitung der 1,5-Grad-Marke in den nächsten fünf Jahren unvermeidbar sei und man sich auf einem Pfad in eine „unbeherrschbare Zukunft“ befinde. Um drastische Klimaextreme und Kipppunkte zu vermeiden, fordern Experten eine rasche Senkung der Temperatur durch die Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre.


