Die Überzeugung, Österreich sei das erste Opfer des nationalsozialistischen Deutschlands gewesen, hat über die letzten Jahrzehnte massiv an Popularität verloren. Laut einer aktuellen Studie des Analytix-Instituts gaben im Jahr 2026 lediglich 26 Prozent der Befragten an, an dieser sogenannten "Opferthese" zu glauben. Diese Entwicklung markiert einen deutlichen Wandel im historischen Bewusstsein der Bevölkerung über die Rolle des Landes im Nationalsozialismus.

Im historischen Vergleich zeigt die Datenreihe einen stetigen Abwärtstrend der Zustimmung zu dieser These. Im Jahr 1987 glaubten noch 48 Prozent der Befragten, also knapp die Hälfte, an die Opferrolle Österreichs. Im Jahr 2008 sank dieser Anteil bereits auf 33 Prozent, was einem Drittel der Befragten entsprach, bevor die Zahl im Jahr 2026 auf ein Viertel zurückging.

Gleichzeitig hat die Anerkennung der eigenen Verantwortung zugenommen, wobei heute 59 Prozent der Befragten explizit auf die Mittäterschaft Österreichs verweisen. Diese statistische Verschiebung verdeutlicht, dass die Sichtweise auf die nationale Beteiligung am NS-Regime seit 1987 grundlegend transformiert wurde. Die Studie unterstreicht damit den Prozess einer kritischeren Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.

Die Veröffentlichung der Ergebnisse erfolgte anlässlich der Gedenkfeiern zu den Novemberpogromen von 1938. Die damaligen Gewaltakte gegen die jüdische Bevölkerung jähren sich in der Montagnacht zum 88. Mal. Damit setzt das Analytix-Institut seine Datenanalyse in den Kontext eines der dunkelsten Kapitel der österreichischen Geschichte.