In Tirol weitet sich der Widerstand unter den Beschäftigten der öffentlichen Gesundheitsberufe aus. Auslöser ist ein Gehaltssystem, das laut Kritikern eine ungerechte Entlohnung schafft. Birgit Seidl, die Zentralbetriebsratsvorsitzende der Tirol Kliniken, forderte bei einer Betriebsversammlung die Abschaffung eines sogenannten Zwei-Klassen-Entlohnungssystems. Betroffen sind insbesondere erfahrene Mitarbeiter mit Altverträgen, die teilweise deutlich weniger verdienen als neue Kollegen.
Die Problematik resultiert aus einer vor einigen Jahren durchgeführten Reform des Landes. Während einem Wechsel in das neue System zunächst geraten wurde, da die Bedingungen schlechter waren, erfolgten 2025 Verbesserungen für Neuverträge. Da ein nachträglicher Umstieg für Altmitarbeiter jedoch nicht mehr möglich ist, entstehen massive Differenzen. Seidl berichtet von einem Fall, in dem der Gehaltsunterschied bei gleichem Job und gleichem Spital bis zu 700 Euro im Monat beträgt.
Die betroffenen Pflegekräfte äußern tiefen Frust über diese Situation. Eine Teilnehmerin der Versammlung mit 30 Jahren Berufserfahrung beschrieb die Lage als Gefühl, "verarscht" zu werden. Es wird zudem berichtet, dass einige Mitarbeiter über Kündigungen nachdenken, da eine Wiederanstellung zu wesentlich besseren Konditionen führen würde als die Fortführung des alten Vertrages. Die Ungerechtigkeiten betreffen laut Seidl nicht nur die Spitäler, sondern auch Pflegeheime.
Der Betriebsrat fordert nun eine gesetzliche Überführung aller Mitarbeiter in das bessere Gehaltssystem oder zumindest eine entsprechende Option. Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP) lehnt eine solche Änderung derzeit ab und bezeichnet Vergleiche mit anderen Bundesländern als nicht zulässig. Zwar verweist Hagele auf Verbesserungen bei Nacht- und Wochenenddiensten, doch wird dies von den Betroffenen abgelehnt, da nicht jeder Mitarbeiter diese Dienste leistet und somit nicht von den Maßnahmen profitiert.



