
Die Wiener Börse hat nach einer kräftigen Vortagesrallye wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Der Leitindex ATX schloss am Donnerstag 0,70 Prozent tiefer bei 5.366,90 Punkten, nachdem er tags zuvor noch um deutliche 2,58 Prozent auf 5.404,63 Zähler zugelegt hatte. Am Mittwoch hatten Hoffnungen auf Verhandlungen zur Beendigung des Iran-Krieges die Kurse in Wien und an den europäischen Börsen nach oben getrieben – am Donnerstag dominierten dagegen Gewinnmitnahmen und neue Konjunktursorgen.
Belastet wurde das Sentiment vor allem von erneut merklich steigenden Ölpreisen. Diese schürten unter Investoren die Furcht vor anhaltendem Inflationsdruck und möglichen Belastungen für das Wirtschaftswachstum. Die Schlagzeilen zum Nahost-Krieg sorgten laut Analysten der Helaba weiter für ein „Wechselbad der Gefühle“ an den Finanzmärkten. Phasen der Hoffnung und Zuversicht würden sich mit Zeiten der Ernüchterung und Sorgen abwechseln, die Volatilität und Unsicherheit dürften in den kommenden Tagen und Wochen erhöht bleiben, hieß es in einem Tagesausblick.
Im Blickpunkt stand in Wien die Vorlage der Geschäftszahlen von Porr. Der Baukonzern steigerte seinen Gewinn im Jahr 2025 auf 136,7 Millionen Euro, ein Plus von 25,6 Prozent gegenüber 2024. Der Umsatz legte um 1,7 Prozent auf rund 6,3 Milliarden Euro zu, der Auftragseingang kletterte um 14,1 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Trotz dieser Verbesserungen schloss die Porr-Aktie 1,6 Prozent im Minus. Analysten der Erste Group werteten die Ergebnisse als weitgehend im Rahmen der Erwartungen, da zentrale Kennzahlen bereits vorläufig veröffentlicht worden waren. Das Management blickt auf das laufende Jahr 2026 zuversichtlich und sieht sich gegen steigende Energiepreise infolge des Iran-Krieges vorerst preislich abgesichert, warnt jedoch vor möglichen Auswirkungen eines längeren Konflikts auf die Materialpreise.
Deutlich unter Druck gerieten Technologiewerte. Die Titel des Leiterplattenherstellers AT&S gaben um 4,7 Prozent nach, nachdem sie am Vortag in einem starken Technologiesektor noch um mehr als elf Prozent gestiegen waren. Bereits zur Wochenmitte hatte die Wiener Börse neben Porr von kräftigen Kursaufschlägen bei AT&S (+11,58 Prozent auf 55,40 Euro), Lenzing (+6,02 Prozent) und Frequentis (+5,37 Prozent) profitiert, während unter anderem Flughafen Wien, Telekom Austria und UBM Development schwächer tendierten. Das Auf und Ab quer durch die Sektoren spiegelt den von geopolitischen Schlagzeilen, Ölpreissprüngen und Zins- wie Inflationssorgen geprägten Markt wider.
Der Wiener Gemeinderat hat am Mittwoch zentrale Personalentscheidungen für die Stadtregierung fixiert und damit eine bereits länger angekündigte Rochade im SPÖ-geführten Rathaus vollzogen. Die bisherige Nationalratsabgeordnete Elke Hanel-Torsch wurde zur neuen Wohnbau- und Frauenstadträtin gewählt und anschließend als amtsführende Stadträtin angelobt. Parallel dazu übernimmt Finanzstadträtin Barbara Novak das Amt der Vizebürgermeisterin von ihrer Parteikollegin Kathrin Gaal, die die Stadtpolitik verlässt.
Hanel-Torsch erhielt im Gemeinderat 58 von 97 Stimmen für das Stadtratsmandat und in einem zweiten Wahlgang 55 Ja-Stimmen für die Funktion der amtsführenden Stadträtin. Die 44-jährige Juristin war bisher Nationalratsabgeordnete, Chefin der Mietervereinigung Wien und Vorsitzende der SPÖ Margareten. Sie bezeichnete den Schritt ins Rathaus als „neuen beruflichen Lebensabschnitt“. Ein zentrales Anliegen sei für sie der Schutz von Mieterinnen und Mietern sowie das Grundrecht auf leistbares, qualitätsvolles und sicheres Wohnen.
Die Neubesetzung an der Rathausspitze war notwendig geworden, nachdem Gaal im Februar überraschend ihren Rückzug aus der Politik angekündigt hatte. Sie war seit 2018 Wohnbaustadträtin und seit 2020 Vizebürgermeisterin, nachdem sie das Ressort von Bürgermeister Michael Ludwig übernommen hatte. Am Dienstag hatte sie im Wiener Landtag in einer emotionalen Abschiedsrede Bilanz gezogen und unter anderem Maßnahmen wie die Widmungskategorie „Geförderter Wohnbau“, Schritte gegen Kurzzeitvermietungen, Altbautenschutz, die Wohnbauoffensive sowie die Eröffnung des fünften Frauenhauses hervorgehoben. Gaal wechselt mit Anfang April in den Vorstand der Sozialbau AG.
Mit dem Wechsel von Hanel-Torsch in die Stadtregierung kam es auch zu einer personellen Nachbesetzung im Parlament: Für sie rückte Christoph Matznetter in den Nationalrat nach. Er wurde am Mittwoch angelobt und übernimmt künftig die Funktion des SPÖ-Bereichssprechers für Wirtschaft. In Wien wiederum steigt Barbara Novak, die weiterhin das Finanzressort führt, zur Vizebürgermeisterin auf. Sie erhielt im Gemeinderat 60 Stimmen; Bürgermeister Ludwig überreichte ihr im Anschluss einen Blumenstrauß.