
Der Wiener Gemeinderat hat am Mittwoch zentrale Personalentscheidungen für die Stadtregierung fixiert und damit eine bereits länger angekündigte Rochade im SPÖ-geführten Rathaus vollzogen. Die bisherige Nationalratsabgeordnete Elke Hanel-Torsch wurde zur neuen Wohnbau- und Frauenstadträtin gewählt und anschließend als amtsführende Stadträtin angelobt. Parallel dazu übernimmt Finanzstadträtin Barbara Novak das Amt der Vizebürgermeisterin von ihrer Parteikollegin Kathrin Gaal, die die Stadtpolitik verlässt.
Hanel-Torsch erhielt im Gemeinderat 58 von 97 Stimmen für das Stadtratsmandat und in einem zweiten Wahlgang 55 Ja-Stimmen für die Funktion der amtsführenden Stadträtin. Die 44-jährige Juristin war bisher Nationalratsabgeordnete, Chefin der Mietervereinigung Wien und Vorsitzende der SPÖ Margareten. Sie bezeichnete den Schritt ins Rathaus als „neuen beruflichen Lebensabschnitt“. Ein zentrales Anliegen sei für sie der Schutz von Mieterinnen und Mietern sowie das Grundrecht auf leistbares, qualitätsvolles und sicheres Wohnen.
Die Neubesetzung an der Rathausspitze war notwendig geworden, nachdem Gaal im Februar überraschend ihren Rückzug aus der Politik angekündigt hatte. Sie war seit 2018 Wohnbaustadträtin und seit 2020 Vizebürgermeisterin, nachdem sie das Ressort von Bürgermeister Michael Ludwig übernommen hatte. Am Dienstag hatte sie im Wiener Landtag in einer emotionalen Abschiedsrede Bilanz gezogen und unter anderem Maßnahmen wie die Widmungskategorie „Geförderter Wohnbau“, Schritte gegen Kurzzeitvermietungen, Altbautenschutz, die Wohnbauoffensive sowie die Eröffnung des fünften Frauenhauses hervorgehoben. Gaal wechselt mit Anfang April in den Vorstand der Sozialbau AG.
Mit dem Wechsel von Hanel-Torsch in die Stadtregierung kam es auch zu einer personellen Nachbesetzung im Parlament: Für sie rückte Christoph Matznetter in den Nationalrat nach. Er wurde am Mittwoch angelobt und übernimmt künftig die Funktion des SPÖ-Bereichssprechers für Wirtschaft. In Wien wiederum steigt Barbara Novak, die weiterhin das Finanzressort führt, zur Vizebürgermeisterin auf. Sie erhielt im Gemeinderat 60 Stimmen; Bürgermeister Ludwig überreichte ihr im Anschluss einen Blumenstrauß.
Im Graz Museum rückt eine neue Ausstellung das ehemalige Zwangsarbeiterlager Liebenau ins Zentrum – und damit eine der dunkelsten Episoden der Stadtgeschichte zwischen 1940 und 1945. Unter dem Titel „Lager Liebenau“ beziehungsweise „Ausgraben und erinnern“ werden im Gotischen Saal rund 30 archäologische Objekte gezeigt, die bei Grabungen auf dem früheren Lagerareal entdeckt wurden. Bis zu 5.000 Personen waren dort während der NS-Zeit interniert. Die Funde sollen nicht nur dokumentieren, sondern Fragen stellen und Besucherinnen und Besucher dazu anregen, sich mit der jüngeren Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Kuratiert wird die Schau von der Leiterin der Stadtarchäologie Graz, Susanne Lamm, und Annette Rainer vom Graz Museum. Viele der Stücke waren buchstäblich im Boden verschwunden und wurden durch systematische Ausgrabungen dem Vergessen entrissen. Ergänzend zur kompakten Präsentation vor Ort stellt das Museum rund 350 weitere Objekte in einer Online-Sammlung zur Verfügung. Damit erhält die Öffentlichkeit Zugriff auf ein deutlich breiteres Fundspektrum, das von eindeutig zuordenbaren Alltagsgegenständen bis zu rätselhaften Fragmenten reicht.
Zu den eindrücklichsten Exponaten zählt ein fragmentarisch erhaltener Kamm. Er lässt sich einer Zwangsarbeiterin zuordnen, deren Name in das Material geritzt wurde: Vlasta Siroka aus dem damaligen Protektorat Böhmen und Mähren. Lagerakten zufolge wurde sie 1944 zur Arbeit als Hilfsarbeiterin nach Graz gebracht und in Baracke 168 untergebracht – 183 Quadratmeter Fläche, geteilt mit 196 weiteren Menschen. Ein anderes Objekt, ein verbeultes Metallgefäß mit deutlichen Gebrauchsspuren und Monogramm, verweist ebenfalls auf den Lageralltag, bleibt aber ohne konkrete biografische Zuordnung.
Das Lager Liebenau diente in der NS-Zeit als Unterbringungsort für Umsiedlerinnen und Zwangsarbeiterinnen und war Schauplatz von Verbrechen des Nationalsozialismus. Einige der Funde stammen unmittelbar aus dieser Phase, andere datieren aus der Zeit davor oder danach und zeichnen ein erweitertes Bild der Nutzung des Areals. Das Graz Museum verankert die Schau in einem Jahresprogramm, das Erinnerungskultur, die Bewahrung von Kulturerbe sowie die Auseinandersetzung mit Stadt und Demokratie in den Mittelpunkt stellt. Die Kuratorinnen hoffen zudem auf Hinweise aus der Bevölkerung, um offene Fragen zu einzelnen Objekten klären und damit weitere Facetten der Lagergeschichte sichtbar machen zu können.