Lindt reagiert auf Konsumflaute mit Preisnachlässen und neuer Strategie

08.10.2026


Lindt & Sprüngli bekommt die Kombination aus Konsumflaute und ungewöhnlich heißem Sommer deutlich zu spüren. Der Schweizer Schokoladenhersteller hat seine Umsatzprognose für das laufende Jahr spürbar nach unten korrigiert. Statt eines Wachstums von vier bis sechs Prozent rechnet der Konzern nach eigenen Angaben nun nur noch mit einer stagnierenden Entwicklung oder im besten Fall einem Plus von bis zu zwei Prozent. An den Aktienmärkten sorgte der Schritt für Ernüchterung: Die Lindt-Aktie rutschte um 6,3 Prozent ab und markierte ein Jahrestief, insgesamt liegt sie mehr als ein Drittel unter dem Jahreshoch.

Als Hauptgründe nennt das Unternehmen die hohe Preissensibilität der Verbraucher und die extreme Hitze in Europa in diesem Sommer. Kunden hätten bei gestiegenen Preisen eher auf den Schokoladeneinkauf verzichtet, insbesondere im margenstarken Saisongeschäft. Das Auftragsvolumen blieb vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig habe die Hitze den Schokoladenkonsum branchenweit gebremst. In anderen Regionen wie Nordamerika und Asien verzeichnete Lindt dagegen ein robustes Wachstum.

Der Konzern versucht nun gegenzusteuern und setzt verstärkt auf Preisnachlässe und Rabattaktionen. So werden die bekannten Schoko-Weihnachtsmänner in Deutschland derzeit günstiger angeboten als Ende 2025: Der Preis für die 70-Gramm-Variante sank von 3,99 auf 3,69 Euro. Im Düsseldorfer Geschäft warb Lindt in den vergangenen Wochen prominent für Preissenkungen; Tafeln der Premiumlinie Excellence wurden von 4,99 auf 2,99 Euro reduziert. Zugleich kündigt das Management eine „angepasste Preisstrategie“ an, hält jedoch am Ziel fest, die Gewinnmarge um 20 bis 40 Basispunkte zu verbessern.

Für das kommende Jahr zeigt sich der traditionsreiche Hersteller zuversichtlicher. Lindt rechnet mit sinkenden Kakaopreisen und stellt ein wieder positives Volumenwachstum in Aussicht. Zusätzlich zu Preisanpassungen will der Konzern weitere Kosten einsparen, stärker in seine Marken investieren und neue Produkte auf den Markt bringen. Mittel- bis langfristig, ab 2028, bestätigt Lindt seine bisherigen Zielvorgaben. Der Konzern mit Sitz in Kilchberg bei Zürich beschäftigt weltweit gut 15.000 Mitarbeitende, produziert an zwölf Standorten in Europa und den USA und betreibt rund 650 eigene Shops. 2025 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 5,9 Milliarden Schweizer Franken, umgerechnet gut 6,2 Milliarden Euro.

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Jugendkriminalität und Sozialstaat im Fokus: Wallner skizziert Kurs für Herbstverhandlungen

08.10.2026


Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) hat die innenpolitische Debatte über den Umgang mit Jugendkriminalität und die Ausgestaltung des Sozialsystems neu angeheizt. In der ORF-„Pressestunde“ brachte der Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz die seit Jahren umstrittene Forderung seiner Partei erneut auf den Tisch, die Strafmündigkeit in Österreich von derzeit 14 auf zwölf Jahre zu senken. „Wer früh Grenzen übertritt, der muss auch damit rechnen, dass früh Grenzen aufgezeigt werden“, sagte Wallner. Allein mit Strafrecht sei es aus seiner Sicht jedoch nicht getan; parallel brauche es ein „Netz an verpflichtenden Unterstützungen“ für betroffene Kinder und Familien.

Zur Begründung verwies Wallner auf Entwicklungen in Schweden. Dort werde über Gefängnisstrafen für 13-Jährige diskutiert, nachdem Berichte über Jugendliche kursierten, die von erwachsenen Tätern für Straftaten instrumentalisiert werden sollen. Eine „Situation wie in den Vororten Stockholms“ wolle er in Österreich verhindern, so der Landeshauptmann, der betonte, er wolle „nicht den Teufel an die Wand malen“, aber vor Fehlentwicklungen warnen. Die ÖVP hatte bereits 2024, unter anderem nach Fällen von Jugendkriminalität, eine Absenkung der Strafmündigkeit gefordert; damals war Innenminister Gerhard Karner treibende Kraft der Debatte.

In der früheren schwarz-grünen Koalition konnte sich die Volkspartei mit dieser Linie nicht durchsetzen. „Mit den Grünen war das aber praktisch unmöglich“, sagte Wallner rückblickend. Aus den Reihen der Grünen kam auch diesmal umgehend Widerspruch. Die grüne Sicherheitssprecherin Agnes Sirkka Prammer bezeichnete es als „Scheinlösung“, Zwölfjährigen mit dem Strafrecht zu begegnen, und plädierte für einen Schwerpunkt auf Prävention: Kinder- und Jugendhilfe, Familienarbeit, Schulsozialarbeit und psychologische Unterstützung müssten ausgebaut werden. Die Länder seien gefordert, dafür ausreichend Ressourcen bereitzustellen.

Parallel zu der Sicherheitsdebatte positionierte sich Wallner bei der anstehenden Neuordnung der Sozialhilfe, einem der zentralen Themen, über die sich die Bundesregierung im Herbst verständigen will. Die Verhandlungen laufen bereits, in der kommenden Woche sollen sie fortgesetzt werden. Wallner betonte, es brauche „eine Sozialhilfe, die Armut verhindert“, warnte aber zugleich vor einer möglichen „Zuwanderung ins System“ und forderte klare Wartefristen für Asylberechtigte. Die Reform müsse auf eine möglichst kurze Bezugsdauer abzielen; Vorarlberg sei hier, was die Dauer des Sozialhilfebezugs betreffe, Vorreiter.

Bei den Leistungen spricht sich Wallner für eine Obergrenze aus. „Ohne Obergrenze wird es nicht gehen“, sagte er mit Blick auf die Gesamtsumme, die ein Haushalt aus der Sozialhilfe beziehen kann. Auch gestaffelte Kinderregelsätze seien aus seiner Sicht notwendig. Jedes Kind sei „gleich viel wert“, aber die Kosten verdreifachten sich nicht automatisch bei drei Kindern, argumentierte der Landeshauptmann. Die neue Sozialhilfe soll nach aktueller Planung mit 1. Jänner 2027 in Kraft treten. Ob der enge Zeitplan hält, ließ Wallner offen, fügte aber hinzu: „Wenn man will, schon“ – und appellierte daran, die Bundesländer „möglichst schnell an den Tisch zu holen“.