Konvoi am Ring: Über 200 Traktoren setzen Signal für Zukunft der Landwirtschaft

02.04.2026


Mit einem Konvoi von mehr als 200 Traktoren haben Hunderte Bäuerinnen und Bauern in Wien auf ihre wirtschaftlich angespannte Lage aufmerksam gemacht. Aufgerufen zu der Kundgebung hatte der neu gegründete Verein „Bündnis Zukunft Landwirtschaft“, der nach eigenen Angaben für „bessere Zukunftsperspektiven“ in der heimischen Landwirtschaft eintritt. Die Demonstration startete um 13.00 Uhr vor dem Landwirtschaftsministerium und zog im Verlauf des Nachmittags über die Ringstraße zur Abschlusskundgebung vor das Parlament.

Im Zentrum der Forderungen standen eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Lebensmittel sowie der Abbau bürokratischer Hürden. Hintergrund sind nach Angaben des Vereins stark gestiegene Kosten etwa für Diesel und Dünger bei gleichzeitig stagnierenden Erzeugerpreisen. Das Bündnis sieht dadurch die Existenz „vieler Höfe gefährdet“ und spricht von der Notwendigkeit eines „gemeinsamen Schulterschlusses der landwirtschaftlichen Interessenvertretungen“, um auf die Lage der Betriebe hinzuweisen.

Vereinsgründer Sebastian Bauer betonte, man agiere überparteilich und wolle sich nicht parteipolitisch vereinnahmen lassen. Die Anliegen richten sich an mehrere Ressorts, darunter das Landwirtschafts-, das Wirtschafts- und das Gesundheitsministerium. Der Verein mit Sitz in Pamhagen im burgenländischen Bezirk Neusiedl am See wurde erst Anfang März in das Vereinsregister eingetragen und positioniert sich als zusätzliche Stimme in der agrarpolitischen Debatte.

Politisch stoßen die Forderungen des Bündnisses auf breite Resonanz. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig bezeichnete sie als „völlig berechtigt“ und verwies darauf, bereits im Vorfeld mit den Organisatoren im Ministerium gesprochen zu haben. Unterstützung signalisierten auch der ÖVP-Bauernbund, die FPÖ sowie die Umweltschutzorganisation Greenpeace, die erneut eine verpflichtende Herkunfts- und Haltungskennzeichnung verlangte. Wie die Regierung auf den zunehmenden Druck aus der Landwirtschaft konkret reagieren wird, ist vorerst offen.

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APA bietet kooperative KI-Infrastruktur für Medienhäuser mit „AustroBERT“

01.04.2026


Die Austria Presse Agentur (APA) steigt mit einem eigenen KI-Sprachmodell in die Riege technischer Plattformanbieter im Mediensektor auf. Gemeinsam mit der AI Factory Austria AI:AT hat die Nachrichtenagentur „AustroBERT“ entwickelt, ein Modell der BERT-Familie, das ausschließlich auf APA-Agenturmeldungen trainiert wurde. Ziel ist zunächst die automatisierte Kategorisierung von Medientexten – ein Kernbaustein für Such- und Empfehlungssysteme, Archivierung und Analyse im redaktionellen Alltag.

Das Projekt wurde im Rahmen des FFG-Forschungsprogramms FAIRmedia umgesetzt und soll laut APA die technologische Auswahl an BERT-Systemen im deutschsprachigen Raum, insbesondere in Österreich, erweitern. Weil das Modell auf „sauberen, lizenzrechtlich einwandfreien Daten“ basiert, sieht die Agentur darin einen Beitrag zur Informations- und Technologiesouveränität. „AustroBERT“ wird unter einer wissenschaftlichen Lizenz veröffentlicht und steht damit Forschungs- und Bildungseinrichtungen kostenlos zur Verfügung. Medienunternehmen können Technologie und Modell zudem als kooperative Infrastruktur über die APA nutzen.

Eine der größten Hürden in der Entwicklung war der Zugriff auf genügend GPU-Ressourcen für ausreichend viele Trainingsläufe. Hier kam AI:AT ins Spiel: Die Organisation stellte einen professionell organisierten Zugang zur Infrastruktur des European High Performance Computing Joint Undertaking (EuroHPC) bereit. „AustroBERT“ gilt damit als Beispiel dafür, wie die europäische „AI Factories Initiative“ Hochleistungsrechner für konkrete Anwendungen in der Medienbranche nutzbar macht.

Aufbauend auf den Erfahrungen mit „AustroBERT“ plant die APA nach eigenen Angaben weitere Schritte: Vorgesehen ist die Entwicklung eines Small Language Model speziell für journalistische Anwendungsfälle; perspektivisch sollen auch größere Modellansätze geprüft werden. Für den österreichischen Medienmarkt markiert „AustroBERT“ damit nicht nur einen technologischen Testlauf, sondern auch den Versuch, eigene Standards und Infrastrukturen im wachsenden KI-Ökosystem zu etablieren.