Investoren setzen auf „Trump-Put“, Nervosität bleibt hoch

16.03.2026


Rund zehn Handelstage nach dem Kriegsausbruch im Iran bleibt der deutsche Aktienmarkt im Bann der Energiepreise und der angespannten Lage im Nahen Osten. Der Dax pendelt zwischen Verlusten und Erholungsphasen, nachdem der Leitindex zu Wochenbeginn auf den tiefsten Stand seit Mai gefallen war. Seit Kriegsbeginn summierten sich die Rückgänge zeitweise auf fast acht Prozent, ehe eine Gegenbewegung die Verluste wieder in Richtung sechs Prozent drückte. Auch der EuroStoxx 50 und der MDax gaben im Wochenverlauf nach, wobei vor allem der schwache Wochenstart nachwirkte.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der Ölpreis. Die Nordseesorte Brent schwankt um die Marke von 100 US-Dollar je Barrel, nachdem sie zu Wochenbeginn noch in der Spitze auf fast 120 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit 2022 gestiegen war. Der Iran droht mit weiteren Angriffen auf die Öl- und Gas-Infrastruktur der Golfregion und hat bereits Öltanker im Persischen Golf attackiert. Die teilweise geschlossene Straße von Hormus, eine der wichtigsten Routen für den globalen Öltransport, schürt die Sorge, dass ein länger anhaltender Engpass die Weltwirtschaft zusätzlich belasten könnte.

Analysten warnen, dass die Kombination aus hohen Energiepreisen und geopolitischer Unsicherheit die Märkte in Richtung eines Stagflationsszenarios treiben könnte – also eines Umfelds, in dem das Wachstum stagniert, während die Inflation anzieht. Emmanuel Cau, Aktienstratege bei Barclays, verweist darauf, dass die Aktienmärkte bisher weniger stark korrigiert haben als in früheren Ölpreisschocks. Viele Investoren setzten weiterhin auf einen sogenannten „Trump-Put“ – die Erwartung, dass der US-Präsident bei stärkeren Marktverwerfungen gegensteuern würde. Gleichwohl nehme die Nervosität täglich zu, je länger die Lage an der Straße von Hormus angespannt bleibe.

Politische und regulatorische Signale im Energiesektor sorgen zusätzlich für Bewegung. Marktteilnehmer diskutierten die Entscheidung der USA, Ländern vorübergehend den Kauf von russischem Öl zu erlauben, das sich bereits auf Schiffen befindet. Parallel dazu berichtete die „Financial Times“, Frankreich und Italien sollten das Gespräch mit Teheran suchen, um eine sichere Passage durch die Straße von Hormus zu erreichen. An den Aktienmärkten litten zuletzt vor allem Banktitel unter den Stagflationssorgen, konnten sich zum Wochenschluss aber teilweise stabilisieren. Rüstungstitel verzeichneten derweil wieder steigende Nachfrage, da Anleger in einem von geopolitischen Spannungen geprägten Umfeld verstärkt auf Verteidigungswerte setzen.

Mit Blick auf die kommende Woche richten sich die Blicke der Investoren nun auf die Zinsentscheidungen der großen Notenbanken. Die Entwicklung der Energiepreise bleibt für Konjunktur- und Inflationsausblick zentral: Eine erneute Eskalation im Nahen Osten könnte den Ölpreis rasch wieder nach oben treiben und die geldpolitischen Spielräume zusätzlich verengen, während eine Entspannung an der Straße von Hormus den Märkten Luft verschaffen würde.

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Innenministerium setzt Zeichen: Polizeiinspektion im Hitler-Geburtshaus geplant

17.03.2026


Der Umbau des Hitler-Geburtshauses im oberösterreichischen Braunau am Inn steuert auf die Zielgerade zu. In der zweiten Jahreshälfte sollen in dem Gebäude in der Salzburger Vorstadt 15 eine Polizeiinspektion und das Bezirkspolizeikommando einziehen. Das Innenministerium verbindet mit dem Projekt die Erwartung, dem seit Jahrzehnten international bekannten Haus ein neues, funktionales Profil zu geben und seine Rolle als Anziehungspunkt für rechtsextreme Besucher deutlich zu schwächen.

Seit Herbst 2023 wird das denkmalgeschützte Haus umfassend adaptiert. Die Außenanlagen sind nach Ministeriumsangaben weitgehend fertiggestellt, im Inneren kam es zu kleineren Verzögerungen. Die „mängelfreie Übergabe“ des Gebäudes wird nun gegen Ende des ersten Quartals 2026 erwartet. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 20 Millionen Euro. Das Vorarlberger Büro Marte Marte Architekten orientierte sich bei der Neugestaltung an der mutmaßlichen Erscheinung des Hauses im 17. Jahrhundert; das tatsächliche Baujahr ist nicht gesichert.

Über Jahrzehnte hatte Braunau nach einer tragfähigen Nutzung für das stark belastete Objekt gesucht. In den 1970er-Jahren war dort vorübergehend die HTL Braunau untergebracht, später bis 2011 die Lebenshilfe Oberösterreich. Danach stand das zunehmend desolate Gebäude leer. Eine Einigung mit der damaligen Eigentümerin über eine dauerhafte, „angemessene“ Verwendung kam nicht zustande; sie wurde schließlich enteignet, das Haus gehört seit 2016 der Republik. Eine Expertenkommission sprach sich in der Folge gegen eine museale Nutzung aus, weil diese den Ort noch stärker mit der Person Adolf Hitlers verknüpfen und seine Anziehungskraft auf bestimmte rechtsextreme Milieus erhöhen könnte. Ein Abriss wiederum wurde als eine Form der Geschichtsverdrängung bewertet.

Die Behörden sehen in der nun gewählten Lösung einen bewussten Bruch mit bisherigen Symbolwirkungen. Das Gebäude hatte in der Vergangenheit – besonders rund um Hitlers Geburtstag am 20. April – wiederholt Neonazis und rechtsextreme Sympathisanten angezogen. Die Polizei registrierte regelmäßige Vorfälle, von Schmierereien am Mahn- und Gedenkstein über Aufkleber mit NS-Parolen bis hin zu Kerzenablagen und Hitlergrüßen. Häufig reisten die Beteiligten eigens aus dem Ausland an, was Verfahren erschwerte. Rund um den 20. April führt die Exekutive seit Jahren Schwerpunktaktionen in Braunau durch; zum 100. Geburtstag im Jahr 1989 war die Stadt zeitweise weitgehend Sicherheitszone, damals kam es zu mehreren einschlägigen Festnahmen. Um die Beamtinnen und Beamten auf den sensiblen Standort vorzubereiten, kündigte das Innenministerium zusätzliche Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen zum Thema Rechtsextremismus an, die über die reguläre Ausbildung hinausgehen.