
Zalando erlebt an der Börse eine markante Kurserholung, die von einer Welle positiver Analystenkommentare gestützt wird. Nachdem der Online-Modehändler seine Umsätze im Jahr 2025 gesteigert und das operative Ergebnis verbessert hat, legte die Aktie bereits am Donnerstag um 9,5 Prozent zu. Im Freitagshandel setzte sich die Rallye fort: Auf Xetra stiegen die Papiere zeitweise um bis zu 8,81 Prozent auf 23,96 Euro, zeitweise sogar auf 24,20 Euro. Damit rückt die 200-Tage-Linie als wichtiger Indikator für den langfristigen Trend bis auf gut 50 Cent heran.
Treiber der verbesserten Geschäftsentwicklung sind nach Unternehmensangaben insbesondere die Übernahme des Wettbewerbers About You sowie der verstärkte Einsatz Künstlicher Intelligenz. Zudem hat das Management ein Aktienrückkaufprogramm aufgelegt und den Start von Ausschüttungen an die Anteilseigner angekündigt. Bernstein-Analyst William Woods hob in einer aktuellen Studie den verbesserten Barmittelzufluss hervor und charakterisierte Zalando als „Kaufhaus, das Geld verdient“. Die Investmentbank erhöhte ihr Kursziel auf 25 Euro und strich zugleich die bisherige Einstufung „Underperform“.
Auch andere Häuser sehen die Aktie konstruktiv. Die Privatbank Berenberg bleibt bei ihrer Kaufempfehlung und bestätigt ein Kursziel von 53 Euro. Analystin Anne Critchlow verweist auf beruhigende Jahreszahlen und ein überraschend starkes bereinigtes EBIT im Schlussquartal. Besonders positiv wertet sie die angehobene Prognose für das bereinigte operative Ergebnis im laufenden Jahr 2026. Das Analysehaus Jefferies wiederum belässt Zalando ebenfalls auf „Buy“ mit einem Ziel von 31 Euro. Analyst Frederick Wild stuft die Papiere als eine der attraktivsten Wetten auf Ergebnisdynamik im europäischen Einzelhandel ein, getragen von Marktanteilsgewinnen sowie Kosten- und Synergieeffekten.
Die Neubewertung erfolgt nach einer ausgeprägten Schwächephase: Zwischen Ende Februar 2025 und Anfang März hatten sich Zalando-Aktien in rund einem Jahr mehr als halbiert und ein Tief bei 18,79 Euro markiert. Zuletzt setzte jedoch eine deutliche Gegenbewegung ein, die nun durch die freundlichere Analystenstimmung zusätzlichen Schub erhält. Während Zalando selbst den Einsatz von KI als Wachstums- und Effizienztreiber hervorhebt, betrachtet Bernstein möglichen Wettbewerbsdruck durch KI-Anwendungen in der Branche derzeit nicht als existenzbedrohend. Anleger setzen damit zunehmend auf ein nachhaltiges Comeback des Berliner Onlinehändlers – getragen von besserer Profitabilität, solidem Cashflow und einer klareren Ausschüttungspolitik.

Im Verfahren rund um die insolvente Immobiliengesellschaft Wienwert haben erste Zeugenaussagen die Position des mitangeklagten SPÖ-Bezirksvorstehers von Wien-Donaustadt, Ernst Nevrivy, gestärkt. Vor dem zuständigen Gericht wird geprüft, ob der Kommunalpolitiker dem früheren Wienwert-Chef Stefan Gruze vertrauliche Informationen über den Standort einer geplanten Remisenerweiterung der Wiener Linien weitergegeben haben soll. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft Nevrivy in diesem Zusammenhang unter anderem Verletzung des Amtsgeheimnisses vor, gegen Gruze richtet sich der Verdacht der Untreue. Beide weisen die Vorwürfe zurück; es gilt die Unschuldsvermutung.
Kern des Anklagevorwurfs ist ein Grundstücksdeal: Gruze soll nach Darstellung der WKStA jene Liegenschaft erworben haben, auf der die Erweiterung der Remise geplant gewesen sei, und diese anschließend gewinnbringend an den städtischen Öffi-Betreiber veräußert haben. Der Stadt Wien sei dadurch ein Schaden von rund 850.000 Euro entstanden. Im Gegenzug soll Nevrivy laut Anklage unter anderem VIP-Tickets für Wiener Fußball-Derbys sowie für Spiele der österreichischen Nationalmannschaft erhalten haben. Zusätzlich soll die bei Nevrivy beliebte Band „Wiener Wahnsinn“ Sponsorgelder von Wienwert bekommen haben.
Als erster Zeuge der aktuellen Verhandlung trat der ehemalige Rapid-Manager und Stiefsohn Nevrivys auf. Er bestätigte die Darstellung des Politikers, wonach VIP-Einladungen zu Spielen für ihn jederzeit leicht zu organisieren gewesen seien. Nevrivy hätte „mit Sicherheit“ auch kurzfristig zu Partien kommen können, sagte der Ex-Funktionär und verwies darauf, dass er auch für Länderspiele Karten besorgen konnte. Der Bezirksvorsteher hatte bereits Ende Jänner im Zeugenstand erklärt, er halte den Vorwurf, mit VIP-Karten bestochen worden zu sein, für wenig überzeugend.
Ein weiteres Schlaglicht fiel auf das Sponsoring der Rockband „Wiener Wahnsinn“. Ein Bandmitglied schilderte vor Gericht, dass die Gelder von Wienwert nach seiner Kenntnis eins zu eins in die Produktion von Musikvideos geflossen seien. Nevrivy sei „Fan der ersten Stunde“ und über eine – letztlich abgelehnte – Kulturförderung über den Finanzbedarf der Gruppe informiert gewesen. In der Folge sei es zu einem Treffen zwischen der Band und Wienwert-Chef Gruze gekommen, bei dem das Sponsoring vereinbart worden sein soll. Welche rechtliche Bedeutung diese Kontakte im Lichte der Korruptionsvorwürfe haben, bleibt Aufgabe des Gerichts – die Beweisaufnahme in der Causa Wienwert ist noch nicht abgeschlossen.